Brief an Tsaya von Albertino
Wehrkloster Marano vom Bund des Wahren Glaubens am 23. FIRUN des Jahres 19 nach der Inthronisierung seiner Allgöttlichsten Magnifizienz Kaiser Hal
An die gelehrte Dame Tsaya Feyama Mirador,
Hesindes Gruß an euch, Schwester im Geiste. Leider werde ich euch nicht selbst von dem berichten können, was ihr von mir zu erfahren hofftet und so muss das geschriebene Wort ausreichen und ich hoffe, dass mein schwacher Geist die richtigen Worte findet, um euch verständlich zu erklären, was mich dazu bewegte, euch und euren Gefährten die gefahrvolle Reise im Winter zuzumuten. Doch was ich zu berichten habe dürfte für euch von einiger Wichtigkeit sein.
Ich erfuhr von eurem werten Lehrmeister und dem hochgeschätzten Magister Finkenfarn von eurer Reise in die gorische Wüste und jenem eigenartigen Kästchen, welches ich gerne noch zu Gesicht bekommen hätte. Magister Finkenfarn folgte in seinen Erzählungen euren Beschreibungen über den Inhalt des Kästchens, so dass ich versuchte ohne es gesehen zu haben, zu einer Erkenntnis zu gelangen.
Weniger der materielle Inhalt des myteriösen Kästchens war für mich von Interesse, als die in ihm enthaltene Schrift. Sie steht nach Magister Finkenfarns Einschätzung in direktem Zusammenhang mit jenem Fetzen Papier, den ihr durch Zufall (oder war es Schicksal?) in Liscom von Fasars Bibliothek fandet.
Meines Wissens nach stammen beide aus einer Sammlung von fünf Strophen, genannt die AlAnfanischen Prophezeiung. Sie gelten als verschollen. Keine bekannte Bibliothek ist in Besitz auch nur eines Verses. Das Original war vermtulich in Ur-Tulamidya verfasst. Es existieren lediglich Beschreibungen der einzelnen Strophen bzw. sind dies, da ich nun das Glück hatte Abschriften aus Magister Finkenfarns Hand zu studieren, ganz offensichtlichen die originalen Überschriften der einzelnen Strophen.
Die Prophezeiung stammen aus der Hand des maraskanischen Propheten namens Nostria Thamos, der zu Lebzeiten Rohals den Kontinent bereiste und mit seinen Wahrsagungen nach Meinung führender Philosophen und Hellseher geschichtliche Ereignisse seit den Drachenkriegen in seinen oft rätselhaft formulierten Versen beschrieben hat. Der Wortlaut der Überschriften:
Ad primum) Von der Zweiheit der göttlichen Ungaben
Ad secundum) Von Drachen und Kaisern
Ad tertiam) Von den Handlangern des Untergangs
Ad quartum) Von den sieben Gezeichneten
Ad quintum) Vom Ende des Zeitalters
Ich habe außerdem gelesen, dass es eine weitere Spruchsammlung von Niobara selbst geben soll, genannt die Orakelsprüche von Fasar.
Jedoch nur die Ansicht des Kästchens und aller derjenigen die es öffnen können hätte weitere Einsichten meinerseits hervorbringen können. So Ihr diese Zeilen lest, war eure Reise leider vergebens.
Ich verbleibe mit hesindianischen Grüßen, möge euer Geist nie müde werden, euer Verstand immer scharf und wachsam sein.
Gloria Alveraniae Duodecima, Sanctus, Sanctus, Sanctus.
Bruder Albertino di Salterio
P.S.: Scheut nicht euer Wissen zu teilen, wie es uns der Herr Nandus gelehrt hat: Denn nur aus Unwissenheit entsteht Aberglaube und aus Aberglaube Furcht und aus Furcht Hass. Und manchmal kommt man weiter im Leben, wenn man die eigene Eitelkeit überwindet und kluge Fragen stellt anstatt scheinkluge Antworten zu geben.